
Kopfkino präsentiert · Ein innerer Film
Eigene Bedürfnisse
«Was brauche ich eigentlich?»
Andere zu lesen, geht dir oft leichter von der Hand, als herauszufinden, was du selbst gerade brauchst. Dieser Film erzählt, warum der Zugang zu den eigenen Bedürfnissen bei ADHS und Autismus oft verloren geht – und wie du ihn Stück für Stück zurückgewinnst.
Ein Film über Immer für andere da. Nie für dich selbst. Auf der Suche nach der eigenen Stimme.
Lesezeit etwa 6 Minuten8 Kapitel
Deine Bedürfnisse sind dir nicht egal. Du hast nur verlernt, sie überhaupt zu bemerken.
Kapitel 1 von 8 · noch 6 Min.Kennst du das?
Kapitel 1 von 8: Kennst du das?
Ich weiss nicht, was ich will
Jemand fragt dich, was du gerade brauchst – und du hast keine Antwort. Nicht, weil dir alles egal wäre, sondern weil du es schlicht nicht weisst. Jahrelang hast du funktioniert, dich angepasst, für andere mitgedacht. Die eigene Frage «Was will ich eigentlich?» kommt dabei kaum je vor.
Mit der Zeit fühlt es sich an, als wärst du dir selbst fremder als den Menschen um dich herum.
Kapitel 2 von 8: Worum geht es?
Was bedeutet der Verlust des Zugangs zu eigenen Bedürfnissen?
Der Verlust des Zugangs zu eigenen Bedürfnissen beschreibt einen Zustand, in dem jahrelanges Funktionieren, Masking oder das Ausrichten an fremden Erwartungen dazu geführt hat, dass die eigenen Wünsche kaum noch bewusst wahrgenommen werden. Es ist kein Desinteresse an sich selbst, sondern die Folge einer über Jahre eingeübten Priorität: erst die anderen, dann – wenn überhaupt – man selbst.
Wenn dir die Frage «Was brauchst du gerade?» fast unmöglich vorkommt, obwohl du bei anderen sofort sagen könntest, was sie brauchen, kann das auf diesen verloren gegangenen Zugang hinweisen.
Nicht jede Schwierigkeit, eigene Bedürfnisse zu erkennen, entsteht durch Masking oder Anpassung: Auch Unterschiede in der Körperwahrnehmung, alexithyme Merkmale – also Schwierigkeiten, Gefühle zu erkennen und zu benennen – oder belastende Lebenserfahrungen können dazu beitragen.
Dieser Prozess lässt sich grob in drei Schritte gliedern: Zuerst nimmst du ein körperliches oder emotionales Signal wahr. Damit beschäftigt sich der Film «Körperwahrnehmung». Danach versuchst du zu verstehen, welches Bedürfnis sich darin zeigen könnte. Daraus kann schliesslich eine Bitte, eine Anpassung, eine konkrete Handlung oder eine Grenze entstehen. Hier schliesst der Film «Grenzen» an. Dieser Film konzentriert sich vor allem auf den mittleren Schritt: die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, zu verstehen und in Worte zu fassen.
Kapitel 3 von 8: Wie zeigt es sich?
Wie zeigt sich dieser Verlust im Alltag?
Diese Momente kennen viele:
- Du kannst mühelos sagen, was andere brauchen, aber nicht, was du selbst gerade möchtest.
- Pausen nimmst du dir erst, wenn der Körper sie erzwingt, nicht weil du sie als Bedürfnis erkannt hast.
- Entscheidungen – Essen, Freizeit, sogar Beruf – richtest du eher nach dem, was «vernünftig» oder erwartet ist, statt nach eigenem Wunsch.
- Auf die Frage «Was möchtest du?» reagierst du oft mit Unsicherheit oder Ausweichen.
- Erst im Rückblick merkst du, dass du eine ganze Zeit über deine eigenen Grenzen hinweggegangen bist.
- Selbst kleine Entscheidungen wie «Was möchte ich heute essen?» fühlen sich überraschend schwer an, wenn du zuerst an die Wünsche der anderen denkst.
Kapitel 4 von 8: Warum es so ist
Warum geht der Zugang zu eigenen Bedürfnissen bei ADHS und Autismus verloren?
Wenn ein Kind früh lernt, dass die eigene Wahrnehmung «zu viel» oder «falsch» ist, verlagert sich die Aufmerksamkeit oft nach aussen: Was erwarten die anderen? Was gilt als richtig? Diese ständige Ausrichtung nach aussen lässt wenig Raum, überhaupt zu bemerken, was innerlich gerade gebraucht wird.
Über Jahre wird dieses Muster so selbstverständlich, dass die eigenen Bedürfnisse nicht bewusst unterdrückt werden – sie werden schlicht nicht mehr registriert.
Warum fühlt sich das so an?
Diese Ausrichtung nach aussen war in einer fordernden oder unverstehenden Umgebung oft sinnvoll.
Das erklärt, warum die Frage «Was brauche ich?» sich nicht wie eine einfache Selbstauskunft anfühlt, sondern wie eine echte Suche.
Was wird oft missverstanden?
- «Du bist einfach zu selbstlos.» — Es geht seltener um bewusste Selbstlosigkeit als um einen über Jahre verschütteten Zugang zu den eigenen Signalen.
- «Dann sag doch einfach, was du willst.» — Das Problem liegt oft schon davor: Du weisst es in dem Moment selbst noch nicht.
Kapitel 5 von 8: Mögliche Folgen
Was kostet der fehlende Zugang zu eigenen Bedürfnissen?
Wer die eigenen Bedürfnisse dauerhaft übergeht, riskiert Erschöpfung, Groll und ein zunehmendes Gefühl der Entfremdung von sich selbst. Viele merken erst bei einem Zusammenbruch oder Burnout, wie lange sie an den eigenen Grenzen vorbeigelebt haben.
Auf Dauer erschwert das auch Beziehungen – wer die eigenen Bedürfnisse nicht kennt, kann sie anderen auch nicht mitteilen.
Deine Bedürfnisse sind nicht verschwunden. Sie warten nur darauf, dass du ihnen wieder zuhörst.
Kapitel 6 von 8: Erste Schritte
Was kann dir helfen?
- Stelle dir mehrmals täglich bewusst die Frage «Was brauche ich gerade?» – auch ohne sofortige Antwort ist die Übung wertvoll.
- Achte auf körperliche Signale als ersten Hinweis, bevor du nach Worten für ein Bedürfnis suchst.
- Führe ein kurzes Bedürfnis-Tagebuch, um Muster über die Zeit sichtbar zu machen.
- Übe kleine, risikoarme Entscheidungen nach eigenem Wunsch, bevor du dich an grössere heranwagst.
- Beginne mit sehr kleinen Fragen: «Ist mir gerade warm oder kalt? Möchte ich sitzen oder stehen? Brauche ich Ruhe oder Bewegung?» Oft ist der Zugang zu den eigenen Bedürfnissen leichter über den Körper als über grosse Lebensfragen.
Du musst nicht sofort wissen, was du willst. Es reicht, anzufangen zu fragen.
Kapitel 7 von 8: Wie ich dazu arbeite
Wie wir im Coaching vorgehen
Verstehen
Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen, kann schwierig sein. Wer lange funktioniert, sich angepasst oder Erwartungen erfüllt hat, richtet die Aufmerksamkeit möglicherweise stärker auf äussere Anforderungen als auf die Frage: Was brauche ich gerade? Im Coaching geht es nicht darum, egoistischer zu werden oder für jedes Gefühl sofort eine Lösung zu finden. Zuerst möchten wir gemeinsam beobachten, wann deine Bedürfnisse schwer zugänglich werden, welche Erfahrungen und Bedingungen dabei eine Rolle spielen und wie du bisher mit ihnen umgehst.
Annehmen
Gemeinsam schauen wir ohne Bewertung auf deinen Alltag. In welchen Situationen bemerkst du ein Bedürfnis erst spät? Was macht es schwierig, es zu benennen oder ihm Raum zu geben? Vielleicht wirken Anpassung, Verantwortung, Stress, Reizbelastung, widersprüchliche Erwartungen oder die Sorge mit, andere zu enttäuschen. Nicht jedes Signal lässt sich eindeutig einem Bedürfnis zuordnen, und manchmal stehen mehrere Bedürfnisse gleichzeitig miteinander in Konflikt. Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung eigener Bedürfnisse bedeuten weder mangelnde Selbstfürsorge noch persönliches Versagen. Deine Bedürfnisse verdienen Aufmerksamkeit – ebenso wie die Bedürfnisse und Grenzen anderer Menschen.
Orientieren
Du musst nicht immer sofort wissen, was du brauchst. Gemeinsam erproben wir Möglichkeiten, die Orientierung erleichtern können: Empfindungen und Gefühle benennen, verschiedene mögliche Bedürfnisse prüfen, Entscheidungen nicht vorschnell treffen und beobachten, welche Wirkung eine Bitte, Anpassung oder Handlung tatsächlich hat. Dabei unterscheiden wir auch zwischen Bedürfnis, Wunsch, Grenze und verfügbarer Kapazität. Ein Bedürfnis darf berechtigt sein, selbst wenn es gerade nicht vollständig erfüllt werden kann. Es geht nicht darum, immer zuerst an dich zu denken, sondern dich selbst bei Entscheidungen nicht dauerhaft zu übergehen.
Verändern
Veränderung bedeutet hier nicht, jedes Bedürfnis eindeutig erkennen, ihm immer vertrauen oder es sofort erfüllen zu müssen. Sie kann bedeuten, häufiger innezuhalten, Vermutungen über das eigene Bedürfnis zu überprüfen und klarer zu benennen, worum du bitten oder was du verändern möchtest. Manchmal entsteht daraus eine Handlung, manchmal eine Grenze und manchmal zunächst nur mehr Verständnis für die eigene Situation. So kann Schritt für Schritt mehr Wahlfreiheit entstehen – auch wenn unterschiedliche Bedürfnisse, Verpflichtungen und Möglichkeiten miteinander abgewogen werden müssen.
Kopfkino ist keine Psychotherapie, keine medizinische Behandlung und keine Diagnostik. Coaching kann eine Behandlung ergänzen.
Kapitel 8 von 8: Häufig gefragt
Häufige Fragen zu eigenen Bedürfnissen bei ADHS und Autismus
Warum weiss ich oft nicht, was ich gerade brauche?
Oft, weil jahrelanges Ausrichten an äusseren Erwartungen die Wahrnehmung für innere Bedürfnisse in den Hintergrund gedrängt hat. Auch eine andere Körperwahrnehmung kann eine Rolle spielen.
Hängt das mit Masking zusammen?
Oft ja. Wer über Jahre die eigene Wahrnehmung verbirgt, verliert häufig auch den bewussten Zugang dazu.
Kann man wieder lernen, eigene Bedürfnisse zu erkennen?
Ja, meist über kleine, wiederholte Übungen der Selbstwahrnehmung, nicht über eine einzelne Erkenntnis.
Warum fällt es mir leichter, die Bedürfnisse anderer zu erkennen als meine eigenen?
Weil die Aufmerksamkeit über Jahre trainiert wurde, nach aussen zu schauen – nach innen zu schauen ist dagegen ungeübt.
Abspann
Du musst dich nicht neu erfinden
Wenn dir die Frage «Was brauche ich eigentlich?» fremd vorkommt, lass uns in einem kostenlosen Erstgespräch schauen, ob eine Begleitung dazu für dich passt.
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Kostenloses Erstgespräch
Im Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, ob dein Anliegen und meine Begleitung zusammenpassen. Du musst nichts vorbereiten. Es reicht, wenn du mitbringst, was dich gerade beschäftigt.
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