Orientierung · Jugendliche
Wenn dein Teenager ADHS, Autismus oder beides hat
Dein Kind steckt mitten in der Pubertät und hat ADHS, Autismus oder beides, oder du vermutest es. Hier erfährst du, was sich in diesen Jahren verändert, wie du begleiten kannst, ohne zu bevormunden, und wo ihr Unterstützung findet.
Weiterlesen01 · Vielleicht kommt dir das bekannt vor
Dein Kind wird gross, und manches wird nicht leichter.
- Dein Sohn ist vierzehn und zieht sich zurück. Du weisst nicht, was Pubertät ist und was mehr.
- Deine Tochter funktioniert den ganzen Tag in der Schule und schläft danach bis zum Abendessen.
- Um zwei Uhr nachts brennt im Zimmer noch Licht, das Spiel läuft weiter.
- Dreissig Bewerbungen, eine Schnupperlehre, und danach ist dein Kind eine Woche lang erschöpft.
- «Ich bin halt komisch», sagt dein Kind, und du weisst nicht, was du antworten sollst.
- Die erste Party steht an, und du fragst dich, wie du über Alkohol reden kannst, ohne dass gleich die Tür zuknallt.
Diese Szenen sind keine Checkliste. Vieles davon erleben auch Familien ohne ADHS oder Autismus. Ob eine Diagnose passt, kann nur eine fachliche Abklärung sagen.
02 · Was sich im Jugendalter verändert
Pubertät und Neurodivergenz überlagern sich.
ADHS und Autismus sind neuroentwicklungsbedingt und verschwinden mit dem Älterwerden nicht einfach. Sie zeigen sich aber oft anders als in der Kindheit. Beide entstehen nicht durch Erziehung.
Bei ADHS wird die sichtbare Unruhe im Jugendalter oft weniger. Eine innere Unruhe oder Rastlosigkeit bleibt aber häufig. Schwierigkeiten mit Planung, Zeit und Dranbleiben können jetzt stärker ins Gewicht fallen, weil Schule und Alltag mehr Selbstorganisation verlangen.
Pubertät und Neurodivergenz überlagern sich: Rückzug, starke Stimmungen und Erschöpfung können zu beidem gehören. Nicht alles lässt sich auseinanderhalten, und das muss es auch nicht.
Manche Jugendliche werden erst jetzt erkannt, oft Mädchen und eher stille Jugendliche, die sich lange stark angepasst haben. Diese Anpassung, oft Masking genannt, kommt aber bei allen Geschlechtern vor.
03 · Vom Begleiten zum Mitentscheiden
Weniger Regie, mehr Beratung.
Auch Jugendliche brauchen manchmal jemanden, der mitreguliert. Die Form ändert sich aber. Statt Nähe und gemeinsamem Beruhigen kann es heissen: «Ich sehe, es ist gerade zu viel. Ich lasse dich in Ruhe und bin unten, wenn du mich brauchst.»
Dazu suchen Jugendliche zunehmend eigene Wege: Musik, Rückzug ins Zimmer, Gespräche mit Gleichaltrigen. Das gehört zum Erwachsenwerden, auch wenn es sich manchmal wie Abweisung anfühlt.
Im Jugendalter wird Selbstbestimmung wichtiger. Jugendliche möchten mitentscheiden, auch bei der Frage, ob sie sich abklären lassen und welche Unterstützung sie wollen.
Jugendliche wollen mitreden, und sie sollen es auch.
Was helfen kann: Abmachungen gemeinsam treffen, statt sie vorzugeben. Gründe erklären. Fehler zulassen und danach zusammen anschauen, was beim nächsten Mal anders laufen könnte. Deine Haltung darf dabei klar bleiben, auch wenn ihr verhandelt.
04 · Schule, Lernen und Leistungsdruck
Mehr Fächer, mehr Lehrpersonen, mehr Selbstorganisation.
Mit dem Übertritt in die Oberstufe, ins Gymnasium oder in eine weiterführende Schule wird vieles anders: mehr Fächer, wechselnde Lehrpersonen und Räume, mehr Aufgaben, die selbst geplant werden müssen. Für Jugendliche mit ADHS oder Autismus kostet das oft besonders viel Kraft.
Dazu kommt bei vielen der Druck, gute Noten zu schreiben und mit anderen mitzuhalten. Wer sich ständig anstrengen muss, um nicht aufzufallen, hat oft wenig Kraft übrig.
Gute Noten heissen nicht automatisch, dass es deinem Kind gut geht.
Hilfreich kann sein, den Übertritt früh gemeinsam vorzubereiten, eine feste Ansprechperson in der Schule zu haben und Termine und Aufgaben sichtbar zu machen.
Wenn eine fachlich festgestellte Beeinträchtigung Prüfungen erschwert, ist ein Nachteilsausgleich möglich, zum Beispiel mehr Zeit. Die Lernziele bleiben dabei gleich.
Das Vorgehen regeln in der Schweiz die Kantone und in Deutschland die Bundesländer. In Österreich sind ausgleichende Massnahmen bei einer nachgewiesenen Beeinträchtigung verpflichtend. Frag bei der Schule oder beim schulpsychologischen Dienst nach.
05 · Freundschaften, Zugehörigkeit und Social Media
Dazugehören, online und offline.
Viele Jugendliche mit ADHS oder Autismus wünschen sich Freundschaften, auch wenn es von aussen nicht immer so wirkt. Oft sind es wenige, dafür enge Freundschaften.
Online finden manche zum ersten Mal Menschen mit denselben Interessen oder Erfahrungen. Das kann sehr entlasten. Gleichzeitig laden soziale Medien zum Vergleichen ein, und ungeschriebene Regeln gibt es auch in Gruppenchats.
Ausgrenzung, Mobbing und Cybermobbing verdienen es, ernst genommen zu werden, auch wenn dein Kind wenig darüber erzählt. Frag nach, ohne zu kontrollieren, und biete an, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
06 · Körper, Pubertät und erste Beziehungen
Wenn sich der Körper verändert und die ersten Gefühle kommen.
In der Pubertät verändert sich der Körper, oft schneller, als man sich darauf einstellen kann. Für autistische Jugendliche kann das besonders verunsichernd sein. Es hilft, früh und klar zu erklären, was kommt, und Körperteile und Vorgänge beim Namen zu nennen. Manche autistische Jugendliche verstehen bildhafte oder indirekte Formulierungen wörtlicher; klare und konkrete Sprache kann deshalb hilfreich sein.
Feste Abläufe und Erinnerungen entlasten bei Körperpflege und Periode. Manche erleben Gerüche, Berührungen oder bestimmte Produkte dabei als sehr unangenehm.
Vieles in Freundschaften und ersten Beziehungen läuft über unausgesprochene Regeln. Es hilft, sie offen zu besprechen: was privat ist und was öffentlich, wie man merkt, ob jemand Interesse hat, und dass ein Ja nur zählt, wenn es freiwillig ist. Ein Nein oder Stopp gilt jederzeit. Impulsivität kann auch in Beziehungen eine Rolle spielen; ein offenes Gespräch über Schutz und Verhütung lohnt sich.
Wenn es schwerfällt, Absichten oder unausgesprochene soziale Signale einzuschätzen, kann das Risiko steigen, ausgenutzt zu werden. Sicherheitsregeln, auch für Chats und Bilder, und eine Vertrauensperson schützen. Einvernehmliches Sexting unter Jugendlichen ist in allen drei Ländern unter bestimmten Bedingungen nicht strafbar, Bilder anderer weiterzuleiten aber schon. Ist etwas passiert, bleib ruhig, gib keine Schuld und hol eine Fachstelle dazu.
Wen jemand liebt und wie sich jemand im eigenen Geschlecht erlebt, sucht man sich nicht aus. Manche wissen es früh, andere später. Wichtig ist, dass dein Kind zu Hause Rückhalt findet.
07 · Schlaf, Gaming, Smartphone und Medien
Wenn die Nacht zum Tag wird.
Für viele Jugendliche sind Games, Videos und Chats mehr als Zeitvertreib: ein Rückzugsort nach einem anstrengenden Tag, ein Interesse, in das sie tief eintauchen, und Kontakt zu anderen. Medien können autistischen Jugendlichen auch helfen, sich zu regulieren.
Jugendliche mit ADHS fühlen sich von schnellen Games und Social Media oft besonders angezogen und finden schwerer ein Ende. Das Risiko für eine problematische Nutzung ist erhöht. Regeln wie «erst die Hausaufgaben, dann das Handy» greifen dann oft nicht.
Bildschirme am Abend und Geräte im Zimmer können das Einschlafen erschweren. Aufmerksam werden solltest du, wenn Schlaf, Schule, Freundschaften oder andere Interessen über längere Zeit deutlich leiden.
Was helfen kann
- Abmachungen gemeinsam erarbeiten, positiv formulieren und am besten aufschreiben. Manche gelten auch für Erwachsene.
- Das Ende der Bildschirmzeit ankündigen, zum Beispiel mit einem Timer.
- Auch fragen «Wie geht es dir nach dem Game?», nicht nur «Wie lange warst du online?».
- Medienfreie Zeiten vereinbaren, zum Beispiel beim Essen.
- Für Ausgleich sorgen: Bewegung, Treffen, Hobbys ohne Bildschirm.
Scheitern Abmachungen immer wieder, kann auch ADHS ein Grund sein. Dann lohnt es sich, Hilfe zu holen, zum Beispiel bei einer Fachstelle für Medien- oder Suchtfragen.
08 · Masking, Erschöpfung und die Basis
Wer lange funktioniert, braucht Erholung.
Viele Jugendliche passen sich lange an und sind dann plötzlich am Ende ihrer Kraft.
Wer den ganzen Tag beobachtet, sich zusammennimmt und Reize aushält, kommt oft erschöpft nach Hause. Rückzug ins Zimmer, Schlaf am Nachmittag oder Gereiztheit am Abend sind dann häufig Zeichen von Erschöpfung. Mit Faulheit hat das wenig zu tun.
Unauffällig heisst nicht, dass es leicht ist.
Essen, Schlaf und Erholung bleiben auch im Jugendalter die Grundlage. Hunger und Schlafmangel können Unruhe, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme verstärken. Manche ADHS-Medikamente dämpfen den Appetit; dann lohnt es sich, Mahlzeiten bewusst einzuplanen und das ärztlich zu besprechen.
In der Begleitung zeigt sich immer wieder, wie stark sich Essen, Schlaf und fehlende Erholung auf den Alltag auswirken können. Wenn diese Basis über längere Zeit fehlt, wird vieles schneller zu viel.
Was helfen kann: nach der Schule zuerst Ruhe lassen, regelmässig essen, Erholung und Schlaf fest einplanen, Wochen nicht ganz verplanen und gemeinsam schauen, wo weniger Anpassung möglich ist.
09 · Berufswahl, Lehre, Ausbildung
Den eigenen Weg finden, im eigenen Tempo.
Die Berufswahl fällt in eine Zeit, in der ohnehin viel los ist. Es lohnt sich, von Stärken und Interessen auszugehen und darauf zu achten, unter welchen Bedingungen dein Kind gut arbeiten kann: wie laut, wie schnell, mit wie vielen Menschen, wie klar die Abläufe sind.
Eine Schnupperlehre oder ein Praktikum kann sehr anstrengend sein, auch wenn der Beruf gut passt. Plant danach Erholung ein.
- Schweiz: Die Berufsberatung des Kantons (BIZ) begleitet die Berufswahl. Für einen Nachteilsausgleich in der Lehre braucht es eine fachliche Diagnose; das Gesuch geht an das kantonale Berufsbildungsamt, am besten schon vor Lehrbeginn. Beeinflusst die Gesundheit die Ausbildung, kann auch die IV beraten und Mehrkosten übernehmen. Meldet euch dafür früh bei der IV-Stelle.
- Deutschland: Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit hat für junge Menschen mit Behinderung eine eigene Reha-Beratung. Bei Prüfungen in der Ausbildung müssen besondere Bedürfnisse berücksichtigt werden; zuständig ist die jeweilige Kammer.
- Österreich: Die BerufsInfoZentren des AMS beraten kostenlos. Das Jugendcoaching begleitet Jugendliche ab 14 kostenlos und freiwillig. Für die Lehre gibt es auch die verlängerte Lehre und die Teilqualifikation mit Berufsausbildungsassistenz.
So kann der Weg in Lehre oder Ausbildung aussehen
- Interessen, Stärken und gute Arbeitsbedingungen gemeinsam sammeln.
- Beratung nutzen, in der Schule oder bei der Berufsberatung.
- Schnuppern oder ein Praktikum machen, mit Erholung danach.
- Bewerben und einen Nachteilsausgleich früh ansprechen, wenn er nötig ist.
- Den Start begleiten: eine Ansprechperson im Betrieb oder in der Berufsfachschule klären.
10 · Alkohol, Nikotin, Cannabis und andere Substanzen
Reden, bevor etwas passiert.
Jugendliche mit ADHS konsumieren häufiger Nikotin, Alkohol und andere Suchtmittel als Gleichaltrige. Für Autismus gibt es dazu keine eindeutigen Aussagen. Häufiger heisst nicht, dass es so kommen muss.
Es lohnt sich zu verstehen, warum Substanzen anziehend sein können: Neugier, dazugehören wollen, sich in Gruppen sicherer fühlen, abschalten oder Anspannung loswerden. Impulsivität und Gruppendruck können es schwerer machen, Nein zu sagen. Wer die Gründe kennt, kann früher und besser darüber reden.
Was im Gespräch helfen kann
- Früh und ruhig darüber reden, nicht erst nach einem Vorfall. Anlässe aus dem Alltag nutzen.
- Fragen stellen und zuhören, statt Vorträge zu halten oder zu verhören.
- Die eigene Haltung klar sagen, auch wenn du selbst trinkst oder rauchst. Vapes verdienen dieselbe Aufmerksamkeit wie Zigaretten.
- Regeln gemeinsam vereinbaren, bei Bedarf aufschreiben, mit klaren Konsequenzen, aber ohne Drohungen.
- Vor dem Ausgang klären, wohin, mit wem und wie dein Kind nach Hause kommt. Und sagen: Wenn etwas ist, ruf an, wir holen dich ab.
- Dein Kind nicht durchsuchen. In Kontakt bleiben und wissen, wo und mit wem dein Kind unterwegs ist, kann schützen.
Hol dir Hilfe, wenn sich Schlaf, Schule, Freundschaften oder Stimmung deutlich verändern oder du dir Sorgen machst. Auch Eltern können sich beraten lassen, auf Wunsch anonym.
Die Altersgrenzen unterscheiden sich im Detail; Cannabis zum Freizeitkonsum ist für Jugendliche unter 18 in allen drei Ländern verboten, und Tabak und E-Zigaretten dürfen erst ab 18 verkauft werden.
11 · Psychische Gesundheit: wann es mehr Hilfe braucht
Phase, Überlastung oder mehr?
Jugendliche mit ADHS entwickeln häufiger zusätzlich Ängste oder eine Depression, oft als Folge von Misserfolgen in Schule und Freundschaften. Auch bei autistischen Jugendlichen gehören Ängste zu den häufigen Begleiterkrankungen, und depressive Phasen kommen vor.
Einzelne schlechte Tage gehören zur Pubertät. Aufmerksam werden solltest du, wenn mehrere Zeichen zusammenkommen, länger als zwei Wochen anhalten und den Alltag spürbar einschränken: Gereiztheit oder Traurigkeit fast den ganzen Tag, Rückzug von Familie und Freunden, keine Freude mehr an Hobbys, deutlich mehr oder weniger Schlaf oder Appetit, sinkende Schulleistungen.
Hol dir rasch fachliche Hilfe, wenn
- dein Kind über längere Zeit nicht mehr in die Schule geht
- sich das Essverhalten stark verändert, zum Beispiel Mahlzeiten auslassen, heimlich essen, ständiges Wiegen
- dein Kind sich selbst verletzt. Bleib ruhig, versorg die Wunde und verzichte auf Verbote und Vorwürfe.
- dein Kind vom Tod oder von Suizid spricht, Abschied nimmt, Dinge verschenkt oder nach einer schweren Zeit plötzlich auffallend ruhig wirkt
Frag ruhig und direkt nach Suizidgedanken. Das bringt niemanden auf die Idee, und viele Jugendliche erleben es als Entlastung. Bei akuter Gefahr lass dein Kind nicht allein und ruf den Notruf: in der Schweiz und in Österreich 144, in Deutschland 112.
Nicht alles lässt sich mit ADHS oder Autismus erklären. Eine Depression oder Angststörung braucht eine eigene fachliche Abklärung und Behandlung. Manche Zeichen einer Depression ähneln zudem Merkmalen von ADHS oder Autismus. Erste Ansprechperson ist meist die Kinder- oder Hausarztpraxis; von dort geht es weiter zur Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Psychotherapie. Hilfreich sind Fachleute, die sich mit ADHS oder Autismus auskennen.
Die Nummern für Kinder, Jugendliche und Eltern findest du unten bei den Hilfen.
12 · Diagnose und Identität
Eine Diagnose kann erklären. Festlegen muss sie nichts.
Viele Jugendliche erleben es als Erleichterung, wenn sie verstehen, warum sich manches für sie anders anfühlt. Andere wollen zuerst nichts davon wissen. Beides ist verständlich.
Hilfreich ist ein Blick, der Stärken und Schwierigkeiten zusammen sieht. Austausch mit anderen Jugendlichen oder Bücher und Videos von Menschen mit ADHS oder Autismus können zeigen, dass dein Kind nicht allein ist.
Wenn ihr über eine Abklärung nachdenkt
Eine Abklärung ist auch im Jugendalter möglich, und dein Kind sollte mitentscheiden, ob und wann. Erste Anlaufstelle ist meist die Kinder- oder Hausarztpraxis; in der Schweiz klärt der schulpsychologische Dienst schulische Fragen und kann weiterverweisen. Abklärungen machen Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie spezialisierte Fachstellen, mit Wartezeit muss man rechnen. Rund um den 18. Geburtstag wechseln die Zuständigkeiten, deshalb lohnt es sich, früh zu planen.
13 · Übergang ins Erwachsenenalter
Mit 18 ändert sich mehr als das Alter.
Mit der Volljährigkeit wechseln oft die Zuständigkeiten: von der Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Versorgung für Erwachsene. In dieser Zeit brechen Behandlungen und Begleitungen häufiger ab, bei ADHS wie bei Autismus.
Es hilft, früh mit der Planung zu beginnen und rechtzeitig eine neue Praxis zu suchen, weil Termine oft dauern. Berichte und Unterlagen gehen an die neue Fachperson, wenn dein Kind einverstanden ist.
Dein Kind übernimmt dabei Schritt für Schritt mehr selbst: Termine vereinbaren, Gespräche führen, entscheiden. Dazu kommen weitere grosse Schritte wie Lehre oder weiterführende Schule und vielleicht die erste eigene Wohnung.
14 · Was du für dich tun kannst
Loslassen und trotzdem da sein.
Eltern von Jugendlichen mit ADHS oder Autismus stehen oft zwischen zwei Aufgaben: loslassen und gleichzeitig auffangen, wenn etwas schiefgeht. Das ist anstrengend, und Erschöpfung ist kein Versagen.
Hol dir Unterstützung: bei Menschen aus deinem Umfeld, im Austausch mit anderen Eltern oder in einer Beratung für dich.
Austausch und Beratung für Eltern findest du über diese Verzeichnisse und Stellen:
15 · Unterstützung durch KOPFKINO
Begleitung für dich als Elternteil, und Wissen für Schulen und Elternabende.
Im 1:1-Coaching ist Platz für dich als Mutter, Vater oder Bezugsperson: für deinen Alltag, deine Grenzen und die Frage, wie du dein Kind gut begleiten kannst, ohne dich selbst zu verlieren.
Es geht um deine Situation, nicht um eine Abklärung oder Behandlung deines Kindes. Das Coaching findet online statt. Rahmen und Ablauf klären wir im Erstgespräch.
Vorträge und Elternabende zu ADHS und Autismus sind buchbar, zum Beispiel für Schulen und Elternvereine. Eine Begleitung für ganze Familien ist in Entwicklung und noch nicht buchbar.
Deborah hat lange mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet: in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, an einer heilpädagogischen Sonderschule und in einem Kinderheim.
Kostenloses Erstgespräch16 · Für wen das passt
Für wen das passt, und wann nicht.
Das passt, wenn …
- Du begleitest eine Jugendliche oder einen Jugendlichen mit ADHS, Autismus oder beidem, mit oder ohne Diagnose.
- Du möchtest verstehen, was im Familienalltag passiert, und herausfinden, was dir und deinem Kind hilft.
- Du suchst eine Begleitung auf Augenhöhe, in deinem Tempo und mit klarem Rahmen.
Gerade nicht passend, wenn …
- Du suchst eine Abklärung, Therapie oder Medikamentenberatung für dein Kind. Dafür sind Fachstellen da.
- Dein Kind oder du seid gerade in einer akuten Krise. Dann wende dich bitte an die Nummern unten.
Dich begleitet Deborah Stephan. Sie verbindet rund 20 Jahre sozialpädagogische Praxis mit Coaching und vertieftem Fachwissen zu ADHS und Autismus.
Mehr über Deborah und ihre Haltung17 · Mehr verstehen
Innere Filme zum Weiterlesen.
- Masking: Wenn Anpassung zur zweiten Haut wird
- Anders sein: Warum du dich schon immer fremd gefühlt hast
- Ablehnungsangst: Wenn Ablehnung körperlich wehtut
- Hyperfokus: Wenn Stunden wie Minuten vergehen
- Erschöpfung: Wenn Schlaf allein nicht reicht
- Selbstwert: Warum Anpassung am Selbstbild nagt
Mehr Orientierung
- ADHS bei Erwachsenen: was im Alltag hilft
- Autismus bei Erwachsenen: sich selbst neu verstehen
- AuDHS: wenn ADHS und Autismus zusammenkommen
- ADHS und Autismus bei Frauen: oft spät erkannt
- ADHS oder Autismus abklären lassen: so läuft es bei Erwachsenen
- Wenn deine Partnerin oder dein Partner ADHS oder Autismus hat
- ADHS und Autismus bei Kindern: für Eltern
18 · Klare Grenzen
Was Coaching bei KOPFKINO nicht ist.
KOPFKINO ist Coaching und keine Psychotherapie, medizinische Behandlung oder Diagnostik. KOPFKINO bietet keine Krisenintervention und ist nicht für akute psychische Notfälle zuständig.
Wenn eine diagnostische Abklärung im Raum steht, können wir gemeinsam sortieren, welche Fragen du dazu hast und was ein möglicher nächster Schritt wäre. Die Diagnostik selbst erfolgt durch entsprechend qualifizierte Fachstellen.
In einer akuten Krise
Schweiz: Die Dargebotene Hand 143, im Notfall 144. Deutschland: Telefonseelsorge 0800 111 0 111. Österreich: Telefonseelsorge 142. Im Notfall überall: 112.
Für Kinder, Jugendliche und Eltern
Schweiz: Pro Juventute 147 für Kinder und Jugendliche, kostenlos und rund um die Uhr; Elternberatung 058 261 61 61, rund um die Uhr. Deutschland: Nummer gegen Kummer, Kinder- und Jugendtelefon 116 111, Elterntelefon 0800 111 0 550. Österreich: Rat auf Draht 147 für Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen, kostenlos und rund um die Uhr.
19 · Häufige Fragen
Fragen von Eltern zu ADHS und Autismus bei Jugendlichen.
Ist das Pubertät oder ADHS oder Autismus?
Oft lässt sich das nicht sauber trennen, und das muss es auch nicht. Rückzug, starke Stimmungen und Erschöpfung können zu beidem gehören. Hält eine Veränderung länger an oder schränkt sie den Alltag stark ein, lohnt sich ein Gespräch mit einer Fachperson.
Wächst sich ADHS aus?
Bei vielen Jugendlichen wird die äussere Unruhe weniger. Andere Merkmale bleiben oft bis ins Erwachsenenalter, zum Beispiel innere Unruhe oder Schwierigkeiten mit Planung und Zeit. Mit passender Unterstützung kann der Alltag trotzdem gut gelingen.
Wie viel Gamen ist zu viel?
Eine feste Zahl passt nicht für alle. Aufmerksam werden solltest du, wenn Schlaf, Schule, Freundschaften oder andere Interessen über längere Zeit deutlich leiden. Abmachungen, die ihr gemeinsam trefft und aufschreibt, helfen meist mehr als Verbote. Als Orientierung nennt die deutsche Leitlinie zur Bildschirmnutzung für 12- bis 18-Jährige höchstens zwei Stunden Bildschirmzeit in der Freizeit.
Soll mein Kind bei der Abklärung und Unterstützung mitentscheiden?
Ja, so weit es seinem Entwicklungsstand entspricht. Fachliche Empfehlungen sehen vor, Menschen mit ADHS an Entscheidungen über ihre Behandlung zu beteiligen. Bei Jugendlichen gehört dazu auch, sie zu fragen, ob ein Elternteil bei Gesprächen dabei sein soll.
Kann mein Kind mit ADHS oder Autismus eine Lehre machen?
Ja. Wichtig ist ein Beruf, der zu den Stärken und zu guten Arbeitsbedingungen passt. Die Berufsberatung hilft bei der Suche. In der Schweiz und in Deutschland ist bei einer fachlich festgestellten Beeinträchtigung ein Nachteilsausgleich bei Prüfungen möglich.
Haben Jugendliche mit ADHS ein höheres Risiko für Sucht?
Jugendliche mit ADHS konsumieren häufiger Nikotin, Alkohol und andere Suchtmittel als Gleichaltrige. Das heisst nicht, dass es so kommen muss. Früh und ruhig darüber zu reden und klare Abmachungen helfen, und Beratung gibt es auch für Eltern.
Soll ich meinem Kind sagen, dass es ADHS oder Autismus hat?
Viele Jugendliche erleben es als Erleichterung, wenn sie verstehen, warum sich manches für sie anders anfühlt. Wie du es erklärst, hängt von deinem Kind ab. Fachpersonen aus der Abklärung können dabei helfen, und dein Kind sollte mitreden können.
Wenn du herausfinden möchtest, ob eine Begleitung für dich als Elternteil passt, können wir uns in einem kostenlosen Erstgespräch kennenlernen.
