KOPFKINO ADHS & Autismus · Coaching & Beratung
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Haltung · Arbeitsweise

Neuroaffirmatives Coaching

Nicht reparieren. Verstehen.

Neuroaffirmatives Coaching beginnt für mich nicht mit der Frage, wie du besser funktionieren kannst. Es beginnt mit echtem Interesse daran, wie du deine Welt erlebst, was dich belastet, was dir Halt gibt und welche Bedingungen du brauchst.

Schwierigkeiten werden dabei weder kleingeredet noch vorschnell als persönliches Defizit bewertet. Auch Belastungen, Unterstützungsbedarf und der Wunsch nach Veränderung haben Platz. Wir schauen gemeinsam, was für dich wichtig ist und welche Wege zu deinem Leben passen könnten.

01 · Die Haltung

Nicht jedes Verhalten muss verändert werden.

ADHS, Autismus und AuDHS können sich darauf auswirken, wie Menschen wahrnehmen, Informationen verarbeiten, kommunizieren und ihren Alltag gestalten. Was von aussen einfach erscheint, kann viel Kraft benötigen. Verhalten wird oft verständlicher, wenn wir die Situation genauer betrachten.

Neuroaffirmativ zu arbeiten bedeutet für mich, neurodivergentes Erleben anzuerkennen, ohne den Menschen auf Symptome, Defizite oder eine Diagnose zu reduzieren. Eine Diagnose kann trotzdem wichtig sein: für den Zugang zu Unterstützung und für das eigene Verständnis. Für das Coaching ist sie keine Voraussetzung.

Wir betrachten auch Bedürfnisse, Fähigkeiten, Erfahrungen und Lebensbedingungen. Denn nicht nur die einzelne Person kann sich verändern. Auch Erwartungen, Abläufe, Beziehungen oder das Umfeld können anders gestaltet werden.

Beispiel

Dieselbe Szene, zwei Lesarten.

Nach der Arbeit

Nach einem Arbeitstag mit vielen Sitzungen sagt jemand eine Verabredung kurz vorher ab.

Defizitblick

«Unzuverlässig. Die Person müsste sich einfach besser organisieren.»

Neuroaffirmativer Blick

«Der Tag hat viel Kraft gekostet. Was würde helfen, damit Planung und Erholung zusammenpassen?»

Innerer Film: Erschöpfung
Zwei weitere Beispiele

Im Team

Im Team-Meeting schaut jemand kaum in die Runde und antwortet knapp.

Defizitblick

«Desinteressiert. Die Person sollte sich mehr einbringen.»

Neuroaffirmativer Blick

«Zuhören und gleichzeitig Blickkontakt halten kann viel Kraft kosten. Was würde helfen, damit Beiträge auch anders möglich sind?»

Innerer Film: Masking

Zuhause

Die gefaltete Wäsche liegt seit Tagen auf dem Stuhl, obwohl nur noch das Einräumen fehlt.

Defizitblick

«Faul. Das wären doch nur zwei Minuten.»

Neuroaffirmativer Blick

«Der letzte Schritt fühlt sich oft am schwersten an. Was würde den Anfang leichter machen?»

Innerer Film: Aufschieben

Beispiele, frei formuliert.

Begriffe

Begriffe, die uns begleiten.

  • Neurodiversität

    Neurodiversität beschreibt die Vielfalt menschlichen Denkens, Wahrnehmens und Verarbeitens von Informationen. Sie betrifft uns alle.

  • Neurodivergent und neurotypisch

    Als neurodivergent werden Menschen bezeichnet, deren neurologische Entwicklung oder Verarbeitung von Informationen von dem abweicht, was gesellschaftlich als typisch gilt. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit ADHS oder Autismus. Neurotypisch bezeichnet Menschen, deren neurologische Entwicklung und Verarbeitung weitgehend den gesellschaftlich üblichen Erwartungen entsprechen.

  • Neurodiversitätsparadigma

    Das Neurodiversitätsparadigma ist eine Sichtweise, die neurologische Unterschiede als Teil menschlicher Vielfalt versteht. Sie hinterfragt, weshalb bestimmte Arten zu denken, wahrzunehmen und sich zu verhalten als normal gelten und andere vor allem als Defizit betrachtet werden. Schwierigkeiten und Einschränkungen werden dabei nicht geleugnet.

  • Neuroaffirmativ

    Neuroaffirmativ beschreibt eine Haltung und Begleitung, die Unterschiede anerkennt, individuelle Bedürfnisse ernst nimmt und Menschen nicht auf ihre Diagnose oder ihre Schwierigkeiten reduziert.

Diese Sichtweise macht Schwierigkeiten nicht kleiner. ADHS und Autismus können mit erheblichen Einschränkungen verbunden sein, auch in einem verständnisvollen Umfeld. Barrieren in der Umgebung können vieles verstärken, erklären aber nicht alles. Medizinische, therapeutische und langfristige Unterstützungsangebote können deshalb ebenso wichtig sein. Neuroaffirmatives Coaching ersetzt diese nicht, sondern kann sie sinnvoll ergänzen.

Bevor wir über Veränderung sprechen, schauen wir darauf, was ein Verhalten verständlich macht und unter welchen Bedingungen andere Möglichkeiten entstehen können.

02 · Die Begegnung

Wie wir miteinander arbeiten.

Im Coaching musst du dich nicht rechtfertigen oder in eine Schublade passen. Du darfst beschreiben, wie du Situationen erlebst, auch wenn deine Gedanken noch unsortiert sind oder dir die passenden Worte fehlen.

Manche Menschen brauchen Zeit zum Nachdenken. Andere möchten Gedanken visualisieren, aufschreiben oder eine Frage später wieder aufnehmen. Pausen, Rückfragen und unterschiedliche Arten der Kommunikation haben im Gespräch Platz.

Ich arbeite nicht mit einer fertigen Erklärung über dich. Wir entwickeln gemeinsam mögliche Zusammenhänge und prüfen, ob sie für dein Erleben stimmig sind. Du entscheidest mit, was wir vertiefen, welche Ziele wichtig sind und welche Schritte du ausprobieren möchtest.

Vielleicht hast du lange Erwartungen erfüllt, Schwierigkeiten verborgen oder dich stark angepasst. Was nach aussen funktioniert, kann innerlich viel Kraft kosten. Auch solche unsichtbaren Belastungen dürfen sichtbar werden.

03 · Die Vorgehensweise

Erst verstehen. Dann gemeinsam entscheiden.

Neuroaffirmative Haltung verändert, welche Fragen wir stellen und wie wir nach Handlungsmöglichkeiten suchen.

  1. Szene 01

    Wenn Aufgaben nicht beginnen

    Wenn du eine Aufgabe immer wieder aufschiebst, geht es nicht sofort um mehr Disziplin oder einen besseren Zeitplan. Wir erkunden, was den Anfang erschwert: Ist die Aufgabe unklar, zu gross oder mit Druck verbunden? Fehlen Energie, Orientierung oder ein passender erster Schritt?

    Daraus können unterschiedliche Möglichkeiten entstehen, etwa eine andere Struktur, kleinere Schritte, Unterstützung von aussen oder die Entscheidung, eine Erwartung neu zu beurteilen.

  2. Szene 02

    Wenn soziale Situationen erschöpfen

    Wenn dich Gespräche, Treffen oder Arbeitstage regelmässig erschöpfen, muss die Antwort nicht automatisch ein Training für mehr Belastbarkeit sein.

    Wir betrachten, welche Anforderungen Kraft kosten, wo du dich anpasst und welche Bedürfnisse zu kurz kommen. Vielleicht helfen eine andere Vorbereitung, deutlichere Grenzen, Erholungsräume oder veränderte Bedingungen im Umfeld.

Veränderung bleibt möglich. Aber sie beginnt nicht mit der Annahme, dass du falsch bist.

04 · Die Möglichkeiten

Was daraus entstehen kann.

Wenn das eigene Erleben verständlicher wird, kann sich auch der Blick auf bisherige Erfahrungen verändern. Wiederkehrende Muster lassen sich vielleicht besser einordnen, Bedürfnisse werden deutlicher und Selbstvorwürfe verlieren möglicherweise an Gewicht.

Daraus können neue Handlungsmöglichkeiten entstehen: Unterstützung annehmen, Grenzen setzen, Erwartungen hinterfragen, Gespräche vorbereiten oder den Alltag anders strukturieren. Manchmal geht es darum, etwas zu verändern. Manchmal darum, etwas nicht länger gegen die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen.

Nicht jede Schwierigkeit lässt sich auflösen. Und nicht jede notwendige Veränderung liegt bei der einzelnen Person. Ziel ist mehr Orientierung für Entscheidungen und nächste Schritte, die zu dir und deiner Situation passen.

Porträt von Deborah Stephan

05 · Die Person dahinter

Warum ich bei Kopfkino so arbeite.

Auf meinem eigenen Weg, in meinem familiären Umfeld und in rund 20 Jahren sozialpädagogischer Praxis habe ich immer wieder erlebt, wie viel von der Haltung der Menschen im Umfeld abhängt. Davon, wie Fachpersonen, Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde einem Menschen begegnen.

Ich habe gesehen, wie schnell Verhalten beurteilt wird und wie vieles von dem, was dahinterliegt, unsichtbar bleibt. Was auffällt oder aus dem Rahmen fällt, wird manchmal als falsch, absichtlich oder als Suche nach Aufmerksamkeit verstanden.

Mich interessiert eine andere Frage: Was könnte hinter diesem Verhalten stehen?

Das gilt nicht nur für das, was nach aussen sichtbar wird. Auch Rückzug, Überforderung oder leise Veränderungen können Anlass sein, genauer hinzuschauen. Nicht, um vorschnell eine Erklärung zu finden, sondern um verstehen zu wollen.

Dabei bist du die Expertin oder der Experte für dein eigenes Erleben. Ich bringe mein Fachwissen, meine Erfahrung und einen Blick auf mögliche Zusammenhänge mit. Du erzählst mir, wie du die Dinge erlebst. Gemeinsam schauen wir, was dich beschäftigt, was dich einschränkt und welche Wege zu dir und deinem Leben passen könnten.

Einer solchen offenen, verständnisvollen Haltung bin ich selbst nicht immer begegnet. Ich habe erlebt, wie wertvoll es ist, wenn jemand zuhört, ohne vorschnell zu urteilen oder einzuordnen. Und ich weiss, wie sehr genau das fehlen kann.

Deshalb arbeite ich so.

Wie viel diese Haltung bewirken kann, zeigt sich auch dort, wo mehrere Menschen jemanden begleiten: in Familien, Schulen, Kollegien oder Fachteams. Wenn Menschen ein gemeinsames Verständnis entwickeln, verändert das oft auch den Umgang miteinander.

Bei Kopfkino verbinde ich diese Erfahrungen mit meinem Fachwissen über ADHS und Autismus, meiner Qualifikation als diplomierter Coach, dem DAS (Diploma of Advanced Studies) in ADHS- und Autismus-Coaching und -Beratung sowie einer systemischen und lösungsorientierten Arbeitsweise. Hinzu kommt meine eigene Erfahrung mit Neurodivergenz.

Diese unterschiedlichen Perspektiven helfen mir, genauer zuzuhören, Zusammenhänge mitzudenken und nicht bei der ersten Erklärung stehenzubleiben.

Ich biete einen fachlich fundierten, zugewandten Rahmen, in dem wir gemeinsam herausfinden können, was für dich stimmig ist.

06 · Der professionelle Rahmen

Was Coaching leisten kann und was nicht.

Das 1:1-Coaching bei Kopfkino dient der persönlichen Orientierung, Reflexion und Entwicklung. Es kann dabei unterstützen, Zusammenhänge zu erkunden, Ziele zu klären und passende Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Es ersetzt keine medizinische, psychologische oder psychiatrische Diagnostik, keine Psychotherapie, keine medizinische oder psychiatrische Behandlung und keine Krisenintervention.

Eine Diagnose ist keine Voraussetzung. Auch wenn du vermutest, dass ADHS, Autismus oder beides bei dir eine Rolle spielen könnten, kannst du dich an Kopfkino wenden. Im Coaching werden keine Diagnosen gestellt. Wenn eine andere oder zusätzliche Unterstützung sinnvoll erscheint, spreche ich das offen an.

In einer akuten Krise erreichst du rund um die Uhr die Dargebotene Hand unter 143, im Notfall die 144.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Was bedeuten Neurodiversität und neurodivergent?

Neurodiversität beschreibt die Vielfalt menschlichen Denkens und Wahrnehmens. Neurodivergent sind Menschen, deren Denken und Wahrnehmen deutlich von dem abweicht, was als typisch gilt, etwa bei ADHS oder Autismus. Neuroaffirmatives Coaching erkennt diese Unterschiede an, ohne Schwierigkeiten kleinzureden.

Heisst neuroaffirmativ, dass sich nichts verändern soll?

Nein. Veränderung kann sinnvoll und ausdrücklich gewünscht sein. Entscheidend ist, dass sie sich an deinen Bedürfnissen, Zielen und deiner Selbstbestimmung orientiert und nicht nur an der Erwartung, unauffälliger oder angepasster zu funktionieren.

Was ist, wenn ich selbst noch nicht genau weiss, was mich belastet?

Dann beginnen wir genau dort. Du musst nichts vorsortiert haben. Du darfst beschreiben, wie du Situationen erlebst, auch wenn deine Gedanken noch unsortiert sind oder dir die passenden Worte fehlen. Ich komme nicht mit einer fertigen Erklärung. Wir entwickeln gemeinsam mögliche Zusammenhänge und prüfen, ob sie für dein Erleben stimmig sind.

Was ist, wenn ich im Gespräch Pausen oder mehr Zeit brauche?

Dann darfst du das ansprechen, vor oder während des Gesprächs. Du musst nicht schnell antworten oder alles sofort wissen. Wir besprechen gemeinsam, was dir die Teilnahme erleichtert.

Was ist, wenn ich andere Bedürfnisse habe, als mein Umfeld erwartet?

Dann schauen wir uns beides an: deine Bedürfnisse und die Erwartungen, die an dich gestellt werden. Nicht immer muss sich die einzelne Person verändern. Auch Erwartungen, Abläufe, Beziehungen oder das Umfeld können anders gestaltet werden. Manchmal geht es darum, etwas nicht länger gegen die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen. Was du verändern möchtest und was nicht, entscheidest du.

Brauche ich für das Coaching eine Diagnose?

Nein. Das Coaching richtet sich auch an Erwachsene mit einem eigenen Verdacht auf ADHS, Autismus oder beides. Kopfkino stellt keine Diagnose und bestätigt keinen Verdacht.

Ist neuroaffirmatives Coaching eine Therapie?

Nein. Coaching ist keine Psychotherapie und keine medizinische oder psychiatrische Behandlung. Wenn eine andere oder zusätzliche Unterstützung sinnvoller erscheint, spreche ich das offen an.

Dein nächster Schritt

Möchtest du herausfinden, ob diese Art der Begleitung zu dir passt?

Auf der Angebotsseite erfährst du, wie das 1:1-Coaching für Erwachsene aufgebaut ist, welche Themen darin Platz haben und wie die Zusammenarbeit beginnen kann.

Weil Verstehen verändert.